Das „Fürstliche“ Rückspiel

Geschrieben von Lars Krause

Monaco.11Tag 1

Anreisetag, pünktlich 22:00 Uhr sollte der Motor laufen, aber wie ja jeder selber weiß: wenn zwei eine Reise tun. Bitte jetzt nur schmunzeln. Mundwinkel mit feuchtem Tuch nochmal auswischen, Haare ordentlich gestylt, Schuhe geputzt und so weiter. So Start, jetzt geht es los: Pustekuchen! Kontrolle der Kaffeemaschine, Waschmaschine, Bügeleisen und Kontrolle zum dritten Mal sämtlicher Fenster und Türen.

 

 

 Mittlerweile sind die ersten drei Liter im Standgas mit Klimaanlage verjuchtelt.

Der Stern, das klassische Reisegefährt mit Allrad auf Winterreifen für den Fürstentermin. Wie immer gemietet und laut Kind, eine geile Karre. 60 Minuten Verspätung, über die A9 bis Nürnberg und dort gleich mal das Ruder nach Steuerbord gerissen. Feuchtwangen viele wissen es noch, das Ruder nach Backbord gedreht und bis Aalen ist alles noch im Kopf. Dorfmerkingen ist genauso geil wie wir. So jetzt wird’s lustig: -1 Grad und starker Schneefall. Wie jetzt? Ich habe nur kurze leichte Sachen eingepackt, aber das kann schon mal passieren im Alpenvorland. Also das heißt, alles fährt maximal 60 Sachen und jeder reiht sich ein in die Spur des Vordermanns, sind ja schließlich schon 10 cm. Jeder winkt leicht genervt auf der Gegenseite dem mittlerweile dritten Winterdienstauto. Zigarettenpause dort, Kaffeepause dort und zwischendurch noch schnell Frontscheibe vollgeklebt mit lustigen Abziehbildern, nennt sich Mautpickerle. Österreich 10 Tage und Schweiz natürlich Jahresmaut, die Pfeifen. Ab 3:50 Uhr haben wir das Land der Toblerone befahren, 6:30 Uhr in Richtung Spaghetti Erfinder verlassen. Mailand links liegen gelassen wie auch Genua. Auf der Küstenautobahn haben wir uns mal richtig die Augen ausgerieben, links das Mittelmeer und rechts Berge ist schon beeindruckend, durch unzählige Tunnel gekämpft ich sag mal grob 30 bis 40 zwischen 50m und 3 km lang. Noch schnell Ticket gesteckt und bezahlt und tschüss gesagt zur italienischen Autobahn. Ab jetzt im Land der Baguette-und Weingeniesser. Schließlich Menton um genau 10:30 Uhr erreicht und das Hotel bezogen direkt am Strand mit Blick auf die Altstadt. Nochmal was zur Urlaubskutsche: das Kind hat irgendwie recht, ist schon wirklich ne geile Karre, automatische Geschwindigkeitsanpassung nach Erkennung der Verkehrsschilder. Wir haben heute noch Éze, Monaco und die Altstadt Menton besucht. Der Hammer war natürlich in Éze, Auswärtsbanner gesichtet an einem Balkon.

Kosten:
Mietwagen 56,50 €
DZ mit Frühstück 115 €
Maut Österreich/Schweiz/Italien
ca. 8,90/36,50/27,50 €


Tag 2

Ein ausgiebiges und sehr vielfältiges Frühstück natürlich mit Wein in diesem Land liegt hinter uns. So was nun, erstmal einen französischen Wochenmarkt aufsuchen natürlich hier gleich in Menton. Frische Mandarinen und Orangen aus der Region ist mit nichts zu vergleichen.

So auf geht`s zum fürstlichen Termin zum ersten Mal. Gleich vorne weg, sehr beeindruckend und wiederum so unrealistisch diese Stadt. Da spazierst du an zig Yachten links vorbei und rechts auf dem Parkplatz macht ein Ferrari einen Parkplatz frei und da diskutieren ein Bentley- und MaybachFahrer wer jetzt Anrecht hat auf diesen Platz. Viele Rot/Weiße Fahnen säumen unseren Weg, heute ist Nationalfeiertag hier in Monaco, die fürstliche Familie zeigt sich dem Fußvolk. Also auf geht`s, hoch zu Berg thront der Palast, jetzt besuchen wir den Prinzen. Ein sehr schöner Platz macht sich vor uns auf, nachdem wir viele Höhenmeter hinter uns gebracht haben.

Da ist er, der Palast, und ich sehe sogar den Klingelknopf, aber ich habe ein Problem: zwischen mir und dem Klingelknopf befindet sich die monegassische Armee in Gestalt einer Person bis unter die Zähne bewaffnet und läuft nach militärischer Manier von links nach rechts und wieder nach links usw. Ist ja egal, morgen zur Wachablösung werde ich mich schon durchschummeln.

Wir drehen uns um 180 Grad und verkrümeln uns in die Altstadt und das ist wieder nur zum Staunen. Die Trampel App schlägt mittlerweile Alarm, 23112 Schritte oder anders ausgedrückt 16 Kilometer Laufleistung, bitte setzen Sie sich jetzt rechts oder links oder ich verweigere den Dienst. Kaum saßen wir und haben bestellt, laufen mehrere Fans vom besten Verein der Bundesliga vorbei. Keine Ahnung warum sich hier alles um die Pizza dreht in jedem Restaurant: ich wollte eigentlich Froschschenkel genießen! Ist ja egal, noch schnell ein Baguette gekauft, unter den Arm geklemmt und schon komme ich als Franzose hier überall durch. Rückweg ist relativ unspektakulär, rechts 200 Meter tiefer das Meer und links Berge an die 1000 Meter hoch: man gönnt sich ja sonst nichts.

 

Kosten:
Mietwagen 56,50 €
    DZ mit Frühstück 115 €


Tag 3

Spieltags Frühstück, heute erstmal ohne Wein, ein Red Bull darf es auch mal sein. Das übliche wie gestern, nur ein Unterschied an der Kleiderwahl, Hinweis schon im Zimmer bekommen: „so kannst du doch nicht zum Frühstück gehen“, und ich kann, bin ja vom Dorf.

Das heißt: Trikot an, Schal um den Hals.

So gegen halb elf ging es erstmal wieder in die Markthalle. Mittlerweile hat sich der Stern in einen mittleren Lieferwagen für Frischobst und Weinladen verwandelt. Langsam ist Menton total uncool. Navigation direkt ins „Parkhaus de la Colle“ gestartet, 25 Minuten Fahrzeit, abstellen, Fahrstuhl von Ebene -13 auf null gefahren und da ist sie wieder, die Stadt der Träume und Geldverschwender. Jetzt ist es 13:00 Uhr, noch 7 Stunden und 45 Minuten bis Anstoß. Langsam kribbelt es überall, das heißt Kaffee besorgen und das ist schwer in Frankreich. Wein können Sie herstellen, Baguette backen, aber mit Kaffee haben sie nichts am Hut. Die Lösung lauert in Monaco in der Gestalt eines Starbucks-Laden. So auf geht`s 14:00 Uhr ist Wachablösung, heute klappt das mit der Klingel, wenn sie ablösen rutsche ich durch, hab auch einen zweiten Becher Kaffee extra gekauft. Ich verrate euch nicht, ob es geklappt hat, kann sich da mal jeder was ausmalen. Klassischen Einkaufsbummel, laut Anhang, muss natürlich auch sein. Also los geht`s: Gucci, Hilfiger, Prada, Swarovski. Langsam hätte ich mir gewünscht, ich hätte die Kreditkarte verloren oder vergessen zu Hause. Nur gut, dass es in unseren Gefilden nur Lidl gibt. Das hält ja kein normaler Mensch aus.

Mittlerweile viel rot/weiß gekleidete Fankultur unterwegs und gesichtet und die Jungs und Mädels sind nicht vom AS. Aber dazu später noch eine Zeile. Laut WhatsApp- und Facebook Gruppe, findet der erste Teil der Fanmarsch in Nizza vom Sammelpunkt zum Bahnhof statt und danach hier zum Stadion. Davon haben wir   natürlich auch erfahren, dass sie gegen ca.16:30 Uhr hier aufschlagen. Noch schnell ein Wein und Bier auf die Faust und ein schönes Plätzchen gesucht. Höhe Starbucks auf einer Anhöhe saßen wir nun mit Blick auf einen großen Kreisverkehr für die Platzverhältnisse hier, wäre zum Vergleich in unseren Gefilden eine gleichrangige Kreuzung, aber hier eben mit einem Polizisten. Jetzt sind 30 Minuten vergangen und ich kann euch jetzt erzählen, was es für Baureihen und verschiedenste Typen gibt von Ferrari, Bentley, Rolls Royce, Maserati usw., einfach unrealistisch. Was ich selber aber total cool finde ist, dass jeder monegassische Busfahrer im weißen Dederonkittel hinter seinem Lenkrad sitzt, geniale Arbeitskleidung. Auf einmal geht es schnell und Bewegung kommt ins Spiel, drei Sixpack fahren vor, parken wie die wilden Männer irgendwo, steigen aus und legen sich ihre volle Kampfmontur an. Sieht schon fast aus, als würden sie frisch von der Gladiatoren-Schule kommen, Plastikschild links und Gummischwert rechts, nochmal schnell das Pfefferspray kontrolliert und nehmen Kampfstellung ein. In furchterregender Gestalt erwarten sie ab jetzt ihren Gegner, in den Häuserschluchten schallen ihnen auch schon ihr Kampfgesänge entgegen. Nur die Gladiatoren haben ein Problem, keiner hat ihnen gelernt, wie man gegen singende Jugendliche, Familien und Großeltern kämpft. Lieder wie „Einmal Leipzig, immer Leipzig “ oder “ Rot Weiß sind unsere Farben“ schallen durch die Stadt, sehr beeindruckend. Dem Marsch schließen wir uns an und nach 20 Minuten sind wir am Stadion, es ist ein klassisches Leichtathletikstadion und sehr ungepflegt und runtergekommen, soviel dazu gesagt.

Zur Einlasskontrolle nur so viel gesagt: es stellen sich 6 Personen nebeneinander, die Hände zum Pioniergruß, werden von einem Drogenspürhund ab geschnüffelt.

Dieses Prozedere geschafft sind wir frohen Mutes, dass wir jetzt hineinkönnen.

Doch halt: die nächste Kontrolle hat sich zur Aufgabe gemacht, Feuerzeuge aufzuspüren und zu vernichten.

Ab jetzt Pflichtprogramm: Plätze besetzen, WC suchen und was zum Trinken und Beißen holen (3 Bier im Plastikbecher, 0,33l für 3€).

Fachgespräche bis zum Anpfiff geführt.

Zum Spiel schreiben wir wie immer nicht viel, nur so viel gesagt: nach 20 Minuten hat der Block gebrannt.

Die Jungs, die gut geschmuggelt haben und pro Flamme 50 Cent verlangt hätten, hätten definitiv ihre Flugreise bezahlt.

Die Jungs aus der zuvor genannten Gladiatoren-Schule wissen nun, dass wir anders sind, Plastikschild steht an der Seite, Gummischwert ist gesteckt. Kurz gesagt: sie haben sich in die oberste Reihe miteingefügt und schauen Fußball.

Schnappschüsse mit unseren neuen Kumpels haben wir gemacht und unter anderem auch Telefonnummern und Aufnäher ausgetauscht.

Abpfiff, jetzt noch 20 min Blocksperre, auferlegt vom Fürsten persönlich und dann geht es endlich los zurück durch die Stadt mit etwas gedämpftem Gesang. Die Stimme hat irgendwie stark gelitten.

Langsam löst sich der Marsch auf: viele biegen links und rechts Richtung Parkhäuser ab, andere zu ihren Bussen und der Rest zum Zug nach Nizza.

Für uns ist das der krönende Abschluss unseres Kurztrips an die Côte d’Azur gewesen.

 

Kosten:
Mietwagen 56,50 €
DZ mit Frühstück 115 €


Tag 4

Abreisetag, geschlafen wie Gott in Frankreich oder wie ein glücklicher Fußball Junge. Heute ein sogenanntes Trucker Frühstück, gefrühstückt wie die letzten Tage, nur nebenbei die Thermoskanne gefüllt.

Mein Plastebeutel inkl. Trikot und Schal, 3 Obstkisten, 4 Kisten Wein und Frau ihre zwei Reisetaschen sind schon verstaut. Der Beautykoffer darf natürlich nur persönlich verstaut werden.

Französische Zeitung mit Sportbericht an der Rezeption gekauft und schon ging es auch los. Französische Maut ist nicht, Österreich und Schweiz klebt an der Scheibe, das heißt nur noch italienische Maut.

Jetzt ist es 15.30 Uhr und wir sind wieder in Deutschland.

Für alle nicht Mitgereisten: ihr habt wirklich was verpasst, denn das muss man mal gesehen haben, verrückte Stadt, geiler Fußball und coole Gladiatoren

P.S. ………auf der A7 hat es Ping gemacht, Frontscheibe gerissen, Fahrerseite ca. 30 cm, ich liebe Reifen und Scheibenversicherung für 3,25 Euro/Tag

Kosten:
Mietwagen 56,50 €
Maut Italien 27,50 €

 

Gruß zwei Skatstadtbullen


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